Hygienisches Design ist Pflicht

Wägezellen für die Lebensmittelindustrie

Die Produktion von Lebensmitteln hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Die Verbraucher fragen heute verstärkt möglichst frische Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe nach. Außerdem führt die Globalisierung dazu, dass die Produkte teilweise lange transportiert werden. Diese Entwicklungen führen zu steigenden Anforderungen an die Hygiene während der Produktion. Die Anforderungen an die Hygiene lassen sich aber nur dann optimal erfüllen, wenn alle in der Produktion eingesetzten Anlagen und Komponenten bereits während des Design auf Hygiene getrimmt werden. Dies gilt auch für die eingesetzten Sensoren, wie der Beitrag am Beispiel von Wägezellen von HBM zeigt.

Mikroorganismen aus dem Prozess ausschließen

Heute haben sich die Verbraucherwünsche so entwickelt, dass möglichst frische, unbehandelte Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe gefragt sind. Ein typisches Beispiel für solche Convenience-Produkte sind die so genannten Smoothies, die aus püriertem Obst und frischen Obstsäften bestehen und das ohne Verwendung von Konservierungsstoffen. Um dies in der Produktion realisieren zu können, muss man versuchen, den Eintrag von Mikroorganismen während des Produktionsprozesses weitgehend auszuschließen. Die Hygiene innerhalb von Anlagen zur Lebensmittelproduktion ist hierbei entscheidend.

Um eine möglichst hygienische Produktionsumgebung zu gewährleisten müssen die eingesetzten Anlagen und Komponenten gewisse Anforderungen erfüllen. Die European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) – ein Zusammenschluss von Herstellern, Lebensmittelproduzenten und Forschungsinstituten – arbeitet in diesem Bereich an konkreten Richtlinien, die eine größtmögliche Hygiene bei der Lebensmittelproduktion garantieren sollen. Ein wichtiger Aspekt, der dabei zum Tragen kommt, ist die möglichst problemlose Reinigung aller verwendeten Anlagen und Komponenten. Dabei stehen die Geometrie und die verwendeten Oberflächen im Vordergrund.

European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG)

Die EHEDG wurde 1989 als Expertengemeinschaft mit dem Ziel gegründet, das Bewusstsein für Hygiene bei der Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln zu stärken. Etwa 100 Unternehmen und Institutionen sind in Deutschland Mitglied der EHEDG. Als Hauptaufgabe möchte man zur hygienegerechten Konstruktion und Gestaltung in allen Bereichen der Lebensmittelproduktion beitragen. Die Organisation erarbeitet dafür entsprechende Richtlinien und führt auch Zertifizierungen durch. Außerdem unterstützt die EHEDG die europäische Gesetzgebung und deren Forderung nach hygienischer Handhabung, Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln mit Hilfe von hygienegerechten Maschinen sowie in einem hygienischen Umfeld (EG Richtlinie 2006/42/EG für Maschinen, EN 1672-2 und EN ISO 14159 für Hygieneanforderungen).

Zertifizierung von Komponenten

Die EHEDG führt unter anderem Zertifizierungen durch, die bestätigen, dass Komponenten die entsprechenden Richtlinien erfüllen und damit im Rahmen des Hygienic Design für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie geeignet sind. Die Zertifizierungen, die die EHEDG durchführt, unterscheiden nach offenen bzw. geschlossenen Prozessen sowie der Reinigung im Prozess bzw. Reinigung mit Zerlegung.

In allen Fällen wird geprüft, inwieweit sich die Komponenten reinigen lassen, um so eine umfassende Hygiene zu ermöglichen. Dazu wurden von der EHEDG geeignete Testmethoden entwickelt. Dabei wird ein Bauteil gezielt mit Bakterien verunreinigt, getrocknet und anschließend gereinigt. In einem weiteren Schritt wird mit einem Nährmedium mit pH-Indikator, in dem sich die Bakterien vermehren können, überprüft, ob nach dem Reinigungsprozess noch Bakterien im oder an dem Bauteil verblieben sind. Findet ein Farbumschlag statt, ist dies ein Zeichen dafür, dass trotz Reinigung noch Bakterien vorhanden waren.

Typische von der EHEDG zertifizierte Komponenten umfassen Armaturen, Pumpen und Sensoren. Setzt ein Anlagenbauer Komponenten ein, die ein EHEDG-Zertifikat haben, ist er in der Lage die Anforderungen der EU-Maschinenrichtlinie in Bezug auf Hygiene zu erfüllen.

Sensoren für die Lebensmittelindustrie

In der Lebensmittelindustrie ist, wie in anderen Industriebereichen auch, ein zunehmender Trend zur Automatisierung von Anlagen zu erkennen. Auch die Reinigungsprozeduren für solche Anlagen sind oft automatisiert und müssen daher ohne ein Zerlegen von Anlagenteilen und Komponenten funktionieren. Gleichzeitig wird in solchen automatisierten Anlagen auch immer mehr Sensorik eingesetzt. Die verwendeten Sensoren müssen daher auch den Hygiene-Anforderungen entsprechen.

Hygienische Wägezelle PW27

Speziell für solche Anwendungen im Lebensmittelbereich bietet der Sensorik- und Messtechnikspezialist HBM die Plattformwägezelle PW27 an, die als einzige auf dem Markt die EHEDG-Richtlinie erfüllt.

  • Um die hohen Anforderungen an die Reinigbarkeit zu erfüllen, ist die Plattformwägezelle PW27 hermetisch gekapselt aufgebaut und besteht komplett aus Edelstahl. Damit ist garantiert, dass sie kompatibel zu sämtlichen gängigen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.
  • Durch die Bauform, lässt sich die PW27 außerdem besonders einfach reinigen. Bei der Geometrie musste darauf geachtet werden, dass beispielsweise Flächen an der Oberseite der Plattformwägezelle geneigt sind. Damit wird verhindert, dass sich Schmutz oder Rückstände von Produkten ansammeln können.
  • Auch bei der Kennzeichnung der Wägezelle mussten sich die Entwickler etwas einfallen lassen. Der sonst übliche Aufkleber ist aufgrund der Hygieneanforderungen nicht möglich. Statt dessen sind bei der PW27 die wichtigen Kenngrößen mit einem Laser in die Oberfläche eingraviert. Die Oberfläche lässt sich dadurch trotzdem sehr einfach reinigen.
  • In der Lebensmittelindustrie gehört die tägliche Reinigung mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie mit Hochdruck-Dampfstrahlern zum Standard. Daher erfüllt die Plattformwägezelle auch die hohe Schutzart IP68 – optional sogar IP69K.
  • Die Plattformwägezelle, die mit den Nennlastbereichen 10 kg und 20 kg lieferbar ist, hat einen integrierten Überlastanschlag, der verhindert, dass die Zelle bei zu großer Last beschädigt werden kann.

Fazit

Hygienisches Design spielt in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie eine immer wichtigere Rolle. Mit den neuen Wägezellen mit EHEDG-Zertifizierung positioniert sich der Sensorik- und Messtechnikspezialist HBM als Lieferant für Anwendungen im Food- und Pharmabereich. Der Anlagenbauer, der die Wägezellen in seine Anwendungen integriert, hat die Sicherheit, dass in diesem Bereich ein hygienisches Design garantiert ist. Erste Anwendungen der Wägezelle PW27 wurden in Multihead Combination Weighern für Abfüllanlagen für die Lebensmittelindustrie realisiert.

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